Madrid. Siesta liegt im Raum, verruchte Trägheit, Fäulnis, Lüsternheit, einem Dackel hängt die Zunge närrisch aus dem Maul. In seinen Variationen der Kaffeehausthematik schildert Grosz die heiße Mittagszeit des Südens. Und es stimmt: Die Siesta in Madrid ist eine Lebenseinstellung die den Schilderungen Grosz`geradezu perfekt entspricht…alles steht für Stunden still. Innerhalb dieser Zeit werden weder Einkäufe noch Geschäfte und Verhandlungen  erledigt. Natürlich hat sich das mit der Zeit verändert – die vehemente Einhaltung dieser Nachmittagsstunden ist vor allem auf dem Land zu beobachten. Doch auch in Madrid leeren sich die Straßen und die Einheimischen treffen sich. Sie treffen sich auf einen Wein, zum Mittagessen oder ziehen sich für ein Nickerchen in ihre kühlen Gemäuer zurück. Eine Lebenseinstellung die Ruhe ausstrahlt, den Alltag entzerrt und Raum für Austausch und Soziales lässt.
Dieser Mann blickt gerade seiner Mittagsverabredung entgegen. Ich habe mir die Zeit genommen und ihn eine Weile beobachtet. Ich wunderte mich ihn zwischen der ganzen Geselligkeit allein dort sitzen zu sehen. Er stach geradezu aus der Masse heraus. Seine Bekannte scheint eine alte Vertraute zu sein. Kurz bevor sie eintrifft bestellt er ihr den Wein – mit dem Essen scheint er auf sie zu warten.