Es war schon immer so, dass ein abenteuerlicher, toller Tag versprochen wurde, wo man sich schick anzieht, im Gegenzug nicht dreckig machen darf und wenn man die Gratwanderung zwischen Anständigkeit und Coolness schafft, von den Eltern eine Menge erlaubt bekommt, damit die sich auch mal ausruhen können. Cleverness ist alles was es an diesem Tag bedarf.
Die Eltern suggerieren den Kindern, dass dieser Tag etwas ganz besonderes ist. In den kühnsten Gedankenschlössern spinnen sie sich Abenteuer für diesen Tag zusammen, die es gilt, um jeden Preis zu erleben. Große und wichtige Aufgaben werden ihnen auferlegt, den Kindern, und alleine müssen sie vor versammelter Mannschaft richtig toll die Blumen streuen. Es gibt wie immer zwei Sorten der Streuer: Alles auf einmal – dann ist man schneller bei den Süßigkeiten – oder diejenigen die es nicht juckt. Nicht im Geringsten. Am Ende des Ganges liegt dann ein Blütenblatt und dann müssen die Erwachsenen mit einer übertriebenen Hingabe und Fürsorge Hilfestellung leisten. Das Brautpaar strahlt.
Doch die eigentliche Cleverness besteht nicht darin, diese Aufgabe gut zu meistern, um was gut zu haben. Nein – vielmehr ist es das Geschick, das Beste aus der Situation zu machen. Die Eltern haben einen mächtig veräppelt. Die schier endlose Kirche, lange Essen und Smaltalk. Nichts für Kinder.  Langeweile löst den abenteuerlichen Mut spätestens beim geduldigen Warten auf die Braut ab. Sie kommt während des Empfangs wieder und spätestens im Kampf mit der Müdigkeit, um so lange aufzubleiben, wie es nur geht, sucht sie einen heim.
Die Cleverness der Kinder ist bewundernswert. Ist das Schlimmste überstanden – das Stillhalten ohne rumzuzappeln  – lösen sie sich in Rudeln vom Rest der Hochzeitsgesellschaft ab und plötzlich merken sie, wie autonom sie sind. Die Gratwanderung zwischen Anständigkeit und Coolness beginnt. Bloß nicht auffallen, damit man diese einmalige Großzügigkeit der Eltern nicht überspannt aber auch auf keinen Fall etwas ausfallen lassen – es muss sich ja schließlich so richtig lohnen.

Und am Ende des irgendwie langweiligen, artigen Tages mit den allertollsten Abenteuern, weiß keines der Kinder, ob das Ganze jetzt eigentlich toll oder rasend mühsam war. Auf jeden Fall anstrengend. Der Tatendrang hat sie so beschäftigt clever die Langeweile auszutricksen, bis das Unvermeidliche kommt: Der abendliche Kampf gegen die Müdigkeit. Aber bloß nicht einschlafen. Das oberste Ziel ist es doch eigentlich, wie immer, bis zum Ende wach zu bleiben..